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HPV-Test verbessert Screening auf Gebärmutterhalskrebs nicht

04.08.2009 - NEW YORK (Reuters Health) – Die Durchführung eines HPV-Tests zusätzlich zur Flüssigzytologie erhöht nicht die Genauigkeit eines Screenings auf Gebärmutterhalskrebs. Dies geht aus einer britischen Studie hervor, die in der Zeitschrift Lancet Oncology erschienen ist.

„Unser Fazit lautet, dass ein HPV-Test Läsionen entdeckt, die mit zytologischen Methoden nicht gefunden wurden. Allerdings war der zusätzliche Nutzen in dieser Studie nur gering“, sagte Studienleiter Dr. Henry C. Kitchener vom Manchester Academic Health Science Centre gegenüber Reuters Health. „Ein routinemäßiges Testen mit HPV-Test und Flüssigzytologie (LBC) erscheint wenig kosteneffizient, weshalb wir es nicht empfehlen würden.“

Die aktuelle Studie sei nicht die erste, die den Nutzen eines HPV-Tests beim Screening auf Zervixkarzinom untersuche, sagte Kitchener. „Der neue Aspekt unseres Versuchsansatzes ist der, dass wir die Flüssigzytologie nutzten. Hierfür gab es zwei ähnliche randomisierte Studien, die jedoch die konventionelle Zytologie anwendeten. Die Flüssigzytologie ist in Staaten der ersten Welt heute weit verbreitet.“
 
Unter dem Namen ARTISTIC-Studie hatte die Untersuchung 24.510 Frauen im Alter zwischen 20 und 64 eingeschlossen, die randomisiert entweder einem HPV- und LBC-Test mit anschließender Bekanntgabe der HPV-Ergebnisse oder der gleichen Untersuchung ohne Aufdeckung des HPV-Ergebnisses zugeordnet worden waren. Die Frauen unterzogen sich zwei Vorsorgeuntersuchungen im Abstand von drei Jahren, wobei das primäre Studienziel die Entdeckungsrate intraepithelialer zervikaler Neoplasien vom Grad 3 oder höher (CIN3+) beim zweiten Screening war.

In der ersten Screening-Runde war die Nachweisrate für CIN3+ in beiden Gruppen ähnlich und betrug etwa 1,29 Prozent. Beim zweiten Durchlauf fiel die Aufdeckungsrate in beiden Gruppen deutlich, stärker jedoch in der Gruppe, bei der das HPV-Testergebnis preisgegeben worden war: 0,25 Prozent vs. 0,47 Prozent (p = 0,042).

Wurden die Ergebnisse beider Vorsorgeuntersuchungen kombiniert, war die Entdeckungsrate für CIN3+ in der Gruppe, bei der das HPV-Testergebnis bekannt war, vergleichbar mit der Kontrollgruppe: 1,51 Prozent vs. 1,77 Prozent (p > 0,02).

Hinsichtlich weiterer Forschung kommentierte Dr. Kitchener die Ergebnisse: „Als Einzeltest hat der HPV-Test möglicherweise Vorteile gegenüber der Zytologie, beispielsweise eine höhere Sensitivität und längere Screeningintervalle. Deshalb sollten neue Untersuchungen sich den optimalen Einsatzmöglichkeiten des HPV-Tests in der primären Gebärmutterhalsvorsorge widmen.“

Quelle: The Lancet Oncology 2009, 10: 672 - 682

Medizinische Fachgesellschaft fordert flächendeckende HPV-Impfung

03.08.2009 - BERLIN (MedCon) – Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) fordern in einer gemeinsamen Stellungnahme die flächendeckende Implementierung der HPV-Impfung.
Ein operativer Eingriff am Muttermund (Konisation) könne heute zwar erfolgreich die Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses verhindern, erhöhe aber das Risiko einer Gebärmutterhalsschwäche und damit von Frühgeburten, heißt es darin. Ein bundesweites Impfprogramm sei deshalb die „beste vorbeugende Maßnahme gegen Gebärmutterhalskrebs“.
Obwohl seit Entdeckung des Zusammenhangs zwischen humanen Papillom-Viren und Gebärmutterhalskrebs vor rund 35 Jahren die Häufigkeit dieser Krebserkrankungen stetig zurückgegangen sei, „erkranken jährlich immer noch über 6.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs“, sagte DGGG-Präsident Prof. Rolf Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm. Bei weitaus mehr Frauen entdeckten gynäkologisch tätige Fachärzte die symptomlosen Krankheitsvorstufen. Jedes Jahr werden deshalb rund 140.000 Konisationen am Muttermund durchgeführt.
„Operative Eingriffe am Gebärmutterhals können das Risiko einer Gebärmutterhalsschwäche und damit die Frühgeburtenrate bei Schwangeren erhöhen. Wir rufen deshalb dazu auf, die HPV-Impfung als nebenwirkungsärmere Alternative bundesweit zu etablieren“, forderte der DGGG-Präsident. Er rät jungen Frauen zudem, noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr einen gynäkologisch tätigen Facharzt aufzusuchen und eine HPV-Impfung zu erwägen. Denn nach Kontakt mit einem HP-Virus sei der Impfeffekt deutlich eingeschränkt.  
Die Stellungnahme zitiert auch Studienergebnisse, die auf dem HPV-Kongress 2009 in Malmö vorgestellt worden seien und eine bessere Immunisierung als theoretisch angenommen zeigten: Die Wirksamkeit von Impfstoffen gegen die HPV-Typen 16 und 18, welche am häufigsten Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses verursachen, betrug danach rund 93 Prozent. Insgesamt konnten etwa 70 Prozent aller hochgradigen Krebsvorstufen durch eine HPV-Impfung verhindert werden.
Auch wenn die HPV-Impfung ihre Wirksamkeit gegen die Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 unter Beweis gestellt hat, dürfen seltenere HPV-Typen nicht in Vergessenheit geraten, mahnen die Verfasser der Stellungnahme. Diese würden immerhin mit etwa 30 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Formen in Verbindung gebracht.  
„Da es für viele HPV-Typen noch keine spezifischen Impfstoffe gibt, ist die regelmäßige Krebsvorsorgeuntersuchung durch den Gynäkologen weiterhin unerlässlich, um die Krebsentstehung rechtzeitig zu erkennen und verhindern zu können“, warnte Kreienberg vor Nachlässigkeit.
Die vollständige Stellungnahme zur HPV-Impfung 2009 finden Sie auf der Homepage der DGGG: www.dggg.de.
Quellen: www.dggg.de, www.frauenaertze-im-netz.de

Bilder vom FOKO 2009 aus Düsseldorf


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